Ein Blick in die Zukunft mit BorgWarner

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Der Zulieferer-Gigant in Sachen Antriebstechnologien BorgWarner lud im Rahmen der IAA einige Blogger zu einem formlosen Austausch ein. Wir waren mit von der Partie und stellten dem CEO James Verrier einige Fragen.

  

Vor 25 Jahren hätte wohl kaum einer geglaubt, dass heute acht- bis zehnstufige Automatikgetriebe zum Standard gehören. Wird der Trend der vielen Gänge anhalten, oder ist langsam Schluss?

Aus technischer Sicht reichen sechs bis acht Gänge aus, um für alle wichtigen Fahrzeugsegmente eine sehr gute Effizienz zu erzielen. Es gibt auch neue clevere Getriebekonzepte mit acht bis zehn Gängen zu einem bezahlbaren Preis, mit hoher Effizienz und geringem Gewicht. Die Wahl der Gänge und Übersetzungen hängt von der Getriebestruktur und der verwendeten Komponenten ab. Wenn zum Beispiel schwere Fahrzeuge mit Anhänger an Steigungen anfahren können müssen, also eine sehr hohe erste Gang-Übersetzung gebraucht wird, kann das einen zusätzlichen Gang erfordern. Eine bewährte Methode zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz sind so genannte „Overdrive“ / Economy – Gänge, hier wird die Motordrehzahl auf der Landstraße oder Autobahn sehr stark abgesenkt und ermöglicht dadurch eine hohe CO2-Einsparung.

Leichtbau ist in der Automobilproduktion nach wie vor ein großes Thema, nicht nur für den Karosseriebau. Welche leichten Materialien setzt BorgWarner in seinen Getrieben und Systemen zur Kraftübertragung ein? Werden etwa Carbon und Titan in diesem Sektor eine Rolle spielen?

Natürlich ist Leichtbau auch ein großes Thema in Getrieben. Wir setzen heute schon spezielle Materialien zur Gewichtsreduktion ein. Außerdem durchlaufen alle Getriebeprodukte in der Entwicklung mehrere Schleifen zur Gewichtsoptimierung. Wir arbeiten auch intensiv an neuen Drehschwingungsdämpfer-Systemen, um das Gewicht zukünftiger hocheffizienter Antriebsstränge zu optimieren.

Elektroautos kommen gemeinhin ohne Drehzahlsprünge in der Kraftübertragung aus. Gehören derartige Eingang-Getriebe zum Portfolio von BorgWarner? Wie wird die Zukunft der Elektromobilität in diesem Punkt aussehen, kommen Ihrer Meinung nach Mehrgang- oder stufenlose Getriebe?

Ja, mit dem eGearDrive bieten wir ein Eingang-Getriebe in unserem Angebot mit einem Wirkungsgrad von >97 Prozent, das eine hohe Drehmomentkapazität mit einem ruhigen Betrieb verbindet. Ein hocheffizienter Getriebezug und die platzsparende, leichte Bauweise des eGearDrive-Getriebes tragen zu einer erhöhten Reichweite bei, was wiederum die benötigte Batteriekapazität reduziert. Für die Zukunft wird es sicher einen großen Markt für Eingang-Getriebe geben, aber wir sehen auch Potenzial für mehrstufige oder stufenlose Getriebe – je nach Gewicht und Leistungsniveau des Fahrzeuges. Also ob es beispielsweise um ein Auto für die Stadt oder einen ausgewachsenen Sportwagen geht. Fast alle OEMs arbeiten intensiv an Zwei- bis Vier-Ganggetrieben für Elektroantriebsstränge, da diese neben einer Effizienzsteigerung vor allem ein Beitrag zur Längsdynamik leisten. Auch solche Getriebe können wir anbieten.

Mit autonomem Fahren und vernetzten Autos ist in halbwegs absehbarer Zeit zu rechnen. Was tut BorgWarner in diesem Bereich?

Im Moment sehen wir vier große Trends in der globalen Automobilindustrie: Autonomes Fahren, Shared Cars und Ridesharing, Connected Cars und Effizienz. Das Gute für BorgWarner ist, dass wir mit all diesen Trends verbunden sind. Letzten Endes wird in jedem Fall ein effizientes Antriebssystem benötigt, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Mit unserem vielfältigen Portfolio an Lösungen für Verbrennungs-, Hybrid- und Elektrofahrzeuge sind wir bereit für alle Entwicklungen.

Da die Elektromobilität zunehmend an Bedeutung gewinnt, bieten wir zahlreiche Technologien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge an. Wir liefern für vier der fünf Hauptkomponenten der Elektromobilität passende Produkte: Elektromotoren, Getriebe, Leistungselektronik und Wärmemanagementsysteme. Bis 2023 werden voraussichtlich 29 Prozent aller Elektrofahrzeuge und 42 Prozent aller Hybrid-Fahrzeuge Komponenten von BorgWarner enthalten – wie zum Beispiel der elektrisch betriebene Kompressor eBooster, unser P2-Kupplungs-/Motormodul, elektrischer Allradantrieb oder die HVH-Elektromotorenreihe.


Welcher Antriebsart räumen Sie in für die nächsten zehn Jahre die größte Akzeptanz in Europa ein? Wie sieht es dabei mit regenerativ erzeugten Kraftstoffen aus?

Die Tendenz zu Hybrid- und Elektrofahrzeugtechnologien ist deutlich. Verbrennungsmotoren werden in konventionellen und Hybrid-Anwendungen vorerst weiterhin eine Rolle spielen. Alle Antriebe können noch weiter verbessert und noch effizienter gemacht werden. Bei Verbrennungsmotoren unterstützen wir zum Beispiel Trends wie Verkleinerung der Motoren (Downsizing) mit unserem Turbolader, variablen Nockensteuer- und Abgasrückführungslösungen, um die Bedürfnisse unserer Kunden nach geringerem Kraftstoffverbrauch und reduzierte Emissionen bei gleichzeitig verbesserter Leistung zu erfüllen. Wir sehen aber besonders im Bereich Hybrid sehr gute Chancen und werden bei den unseren Anteil am gesamten Umsatz in diesem Bereich erhöhen. Auch bei Elektro-Fahrzeugen sehen wir Potenzial, das wir nutzen werden.

Vielen Dank, Mr. Verrier! 

Bilder: ©BorgWarner

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