Formel-1-Pilot Vettel: Von Gartenarbeit bis Geisterrennen

Kemmental – Sebastian Vettel verbringt die Zeit während des Formel-1-Stillstands mit viel Sport und seiner Familie. Langeweile kommt beim 32 Jahre alten gebürtigen Heppenheimer in seiner Schweizer Wahlheimat nicht auf.

In einer Video-Konferenz seines Formel-1-Arbeitgebers Ferrari sprach der viermalige Weltmeister über die Corona-Krise, mögliche Geisterrennen, die Vertragsgespräche mit der Scuderia und einiges mehr. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert Aussagen von Vettel über…

… seinen aktuellen Zeitvertreib: «Lange im Bett liegen ist nicht mit den drei Kids. Es gibt den ganzen Tag Programm. Uns wird sicher nicht langweilig. Außerdem kann man manche Sachen im Garten erledigen, die ein bisschen liegen geblieben sind. Ich mache zudem sehr viel Sport. Gott sei dank bin ich nicht abhängig von einem Fitnessstudio. Ich habe mir über die Jahre das meiste zuhause aufgebaut. Es ist ein bisschen wie ein Winterprogramm, außer dass man vieles nun auch draußen machen kann, weil es wärmer ist.»

… seine Fitness: «Ich denke, dass ich vor der Saison bereit und nun körperlich noch besser vorbereitet bin, als ich es im März war. Natürlich fehlt einem die Zeit im Auto. Ich habe aber doch einen Erfahrungsschatz, vielleicht kann ich auf den zurückgreifen.»

… einen WM-Titel mit womöglich nur zehn Rennen: «Ich weiß nicht, wie es sich anfühlen würde, weil wir das noch nie hatten unter solchen Umständen. Ich weiß es nicht, ich glaube nicht, dass es einen allzugroßen Unterschied macht. Du musst immer noch der Beständigste sein. Die WM wird immer noch die WM sein. Bei zehn Rennen musst du auch immer noch genug richtig machen.»

… seine Vertragsgespräche mit Ferrari: «Wie alles andere waren auch die Vertragsverhandlungen auf Stopp. Wir haben aber noch genug Zeit, wenn das erste Rennen erst im Juni oder Juli ist – ich will nicht sagen, es aus dem Weg zu räumen, aber zu Ende zu besprechen. Es gibt aber nicht wirklich eine Deadline. Wie auch immer der Deal aussehen wird, das Team und ich werden uns damit wohl fühlen müssen. In der Vergangenheit hatte ich immer Verträge, die drei Jahre liefen. Ich bin einer der erfahrensten Rennfahrer, aber nicht der älteste. Ich glaube nicht, dass es in dieser Hinsicht ein Alterslimit gibt.»

… die Bilder aus Italien durch die Coronavirus-Pandemie: «Sie machen sehr betroffen. Die Bilder sind schrecklich und prägend, dass man sie nicht vergessen wird. Wenn man einen persönlichen Bezug dazu hat, denkt man auch noch mal anders darüber nach.»

… die Chance durch die Coronavirus-Pandemie: «Auch wenn die Umstände sehr traurig sind, haben wir die große Chance, einen Reset zu machen und zu überlegen, was wichtig im Leben ist. Hoffentlich haben die Schlussfolgerungen dann auch ein bisschen länger Bestand.»

… Geduld: «Womit man sehr schwierig umgehen kann, ist geduldig zu bleiben. Jeder will eine Antwort haben. Wann kann ich wieder raus, wann kann ich wieder meine Freunde treffen.»

… Maßnahmen zur Verbesserung und Veränderung der Formel 1: «Es ist unsere Verantwortung, dass der Kern des Sports sich nicht verändert, dass er für die Qualitäten steht, für die er immer stand. Ich glaube, dass weniger reflektierend darüber nachgedacht wird. Ich glaube, die Änderungen, die aktuell besprochen werden, werden aufgrund der Bedrohung, gerade wirtschaftlich, besprochen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich anderweitig zu verändern. Als Individuum und selbst denkende Person macht man sich auch viele eigene Gedanken. Die Welt dreht sich weiter, die Probleme, die es vorher gab, wird es auch nachher geben. Man darf auch nicht ignorant sein und die anderen Dinge ausblenden, das gilt für die Formel 1, aber auch für uns alle.»

… mögliche Geisterrennen: «Jetzt könnte man kritisch sagen, wir haben schon ein paar Geisterrennen gefahren. (Anm: Weil es auch schon Rennen vor vielen leeren Rängen gab) Es wäre ein sehr komisches Gefühl. Ich wäre kein Fan davon. Man muss aber abwägen: Es geht auch ums wirtschaftliche Überleben. Ein Rennen ohne Zuschauer ist fad, ist nicht richtig, insofern sollte man keine Schnellschüsse machen, warten und keine Geisterrennen abhalten. Es gibt keine perfekt Antwort. Die ersten Rennen werden wohl Kompromisse sein.» … mögliche Karriere in der virtuellen Rennwelt: «Mehr und mehr Freunde üben aber Druck aus. Bis vor ein paar Tagen hatte ich keinen Simulator. Den muss ich aber erst noch installieren. Blamieren will ich mich ja auch nicht. Ich strebe aber keine virtuelle Karriere an.»

… das, was er mit als Erstes macht, wenn der Lockdown beendet ist: «Zum Friseur müsste ich mal wieder (lacht). Das Erste wird sein, dass man den Rest der Familie wiedersieht und den Rest der Freunde, wie man es vorher gewohnt war.»

Fotocredits: Michael Dodge
(dpa)

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